Sorben / Wenden

Die Sorben/ Wenden, sind eine westslawische Ethnie, die vorwiegend in der Lausitz im östlichen Deutschland lebt. Zu den Sorben gehören die Obersorben in der sächsischen Oberlausitz und die Niedersorben/Wenden in der Niederlausitz in Brandenburg, die sich sprachlich und kulturell unterscheiden. Die Sorben sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Sie haben neben ihrer eigenen Sprache eine offiziell anerkannte Flagge und eine eigene reiche Kultur.

Zu den schönsten und bekanntesten Bräuchen der Sorben gehören ihre Osterbräuche. Normalerweise geht es bei den Sorben jedes Jahr zu Ostern laut zu. Das Wendische Osterreiten wird heute noch im Spreewald veranstaltet und das Waleien - oder Eiertrudeln, ein Fruchtbarkeitszauber. Auch Osterwasser wird geschöpft.

Dieses Jahr waren auch bei den Sorben in der Lausitz wegen des Corona-Virus alle Osterveranstaltungen abgesagt. So warten wir auf Ostern 2021 um die schönen traditionellen Osterfeierlichkeiten der Sorben zu erleben. 

Einen der schönsten Osterbräuche, das kunstvolle Verzieren der Ostereier, kann man zu Hause ausüben.

Die Ornamente und Muster der sorbischen Ostereier sind vielfältig. Viele Symbole haben Bedeutungen, die weit in das 17. Jahrhundert zurückreichen. So symbolisiert das Dreieck auf einem sorbischen Osterei einen Wolfszahn und schützt den Beschenkten vor allen bösen Dingen. Im Frühling geht die Feld- und Gartenarbeit wieder los, eine Bienenwabe symbolisiert den Frühling und den Fleiß. Möchten Sie zu Ostern beste Wünsche für die Gesundheit verschenken, zeichnen Sie Kiefernzweige auf das Osterei.

„Das sorbische Volk ist eigentlich ein österliches Volk, wir haben unser schönstes Fest und unser schönstes Brauchtum um Ostern herum, und das ist eine Demonstration der Hoffnung für unser Volk. Das war eigentlich immer die Stärke des sorbischen Volkes, auf Glauben und Hoffnung zu setzen.

Über die Sorben und die sorbische/wendische Sprache erfahren Sie hier mehr:
https://www.sorbisch-na-klar.de


Einige Informationen zu den Sorben/Wenden

Quelle ist die Broschüre "Die Rechte indigener Völker an natürlichen Ressourcen und die Sorben/Wenden"

Daniel Häfner
Lutz Laschewski (Hrsg.)

Sozialwissenschaftliche Umweltfragen, Berichte & Arbeitspapiere // Reports & Working Papers 1
Cottbus 2013


Die historischen Erfahrungen der Sorben/Wenden und die derzeitige Perspektive der sorbisch/wendischen Kultur weisen darauf hin, dass Minderheiten-Kulturen dann bedroht sind, wenn sie nicht über ein Mindestmaß an Selbst-Bestimmung verfügen.
...

Die Frage nach der Selbst-Bestimmung von regionaler Entwicklung und Entwicklung der Kultur wird zum anderen auch dann komplex und kompliziert, wenn eine Minderheiten-Kultur auch nicht exklusiv und eineindeutig einem bestimmten Territorium zugeordnet werden kann, wenn also Minderheiten auch in ihrem “angestammten Gebiet“ selbst Minderheiten (geworden) sind. Und dies ist ja bei den Sorben/Wenden der Fall: Die slawische Minderheit der Sorben/Wenden ist auch in ihrem verbliebenen Kernsiedlungsgebiet in der Lausitz eine Minderheit geworden.

Damit stellt sich die Frage einer möglichen parallelen Ausgestaltung von Selbstverwaltungen neben den Strukturen einer Mehrheitskultur. Und es wird relevant, wie solche Strukturen legitimiert werden können und worüber sie eigentlich – in welchen Grenzen – verfügen sollen. Die Bildung wäre ein solcher Bereich der möglichen Verfügung und eine Ausgestaltung könnte auch noch auf Zustimmung treffen. Doch inwiefern könnte eine Vertretung der Sorben und Wenden z.B. auch über die zukünftige Entwicklung von Braunkohletagebauen entscheiden, die ihr Kernsiedlungsgebiet und ihre Kultur beständig bedrohen?

...
 

Sind die Sorben ein indigenes Volk?

Heiko Kosel

Nur eine akademische Frage?

Der Vermutung, die Antwort auf diese Frage sei eher von rein wissenschaftlichem

Interesse, ist entschieden zu widersprechen. Vielmehr handelt es sich hier um ein

Problem mit beträchtlicher politischer und rechtlicher Relevanz für die Zukunft nicht

nur der Sorben, sondern der gesamten Lausitzer Region. Hängt doch von der

Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage die Anwendbarkeit zweier

internationaler Rechtsnormen – das ILO-Übereinkommen 169 über eingeborene und

in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern und die Resolution 61/295 der

UN-Generalversammlung über die Rechte indigener Völker – wesentlich ab. Da

diese beiden Normen die Rechte indigener Völker an dem von ihnen seit alters her

besiedelten Land sowie an den dortigen natürlichen Ressourcen in besonderer

Weise schützen, dürfte allen, denen die Lausitzer Verhältnisse bekannt sind, klar

sein, dass es hier um Wichtiges geht. Der Ausbeutung der Lausitzer Ressourcen im

alleinigen Interesse von Großkonzernen könnte – zumindest teilweise – ein Riegel

vorgeschoben werden. Zumindest könnten Konzerngewinne in beträchtlich

stärkerem Maße als bisher in der Region gehalten werden. Gleichzeitig wären

erweiterte politische und rechtliche Möglichkeiten gegeben, Bergbaukonzerne und

Staat stärker auf die Lösung solcher Probleme wie z. B. großflächiger

Bodenrutschungen und Verockerung der Spree zu verpflichten. Auch der

regionsschädigende Abbau von weiteren Ressourcen der Lausitz, wie z. B. Kupfer

und Kaolin könnte verhindert oder korrigiert werden.

Die Antwortsuche lohnt folglich allemal. Doch wie und wo sollte man beginnen? Dem

Zeitgeist folgend bietet sich Wikipedia an. Dort findet man eine „Liste indigener

Völker“. Diese ist nach Kontinenten geordnet und unter der Rubrik Europa werden

neben den Basken und Samen auch die Sorben genannt. Das ist zwar schön, aber

für eine solide Beantwortung der Frage nicht ausreichend. Sinnvoll ist es daher, sich

dem Wortsinn der Bezeichnung „indigen“ zuzuwenden.
 

weiterlesen in der Broschüre 

Die Rechte indigener Völker an natürlichen Ressourcen und die Sorben/Wenden

Daniel Häfner
Lutz Laschewski (Hrsg.)

Sozialwissenschaftliche Umweltfragen
Berichte & Arbeitspapiere // Reports & Working Papers 1

Cottbus 2013

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