Sami

Die Saami in Schweden

Die Saami leben in Lappland, das die Saami Saapmi nennen. Dieses Land erstreckt sich über den Norden Schwedens, Norwegens, Finnlands und der russischen Halbinsel Kola. Lange bevor die heutigen skandinavischen Staaten entstanden, lebten die Saami in diesem Gebiet.
Es gibt heute ca 70 000 Saami. 17.000 Saami leben in Schweden, ca 3000 davon leben von der Rentierzucht.

Sami in Schwedisch-Lappland

Traditionell lebten die Saami vom Fischen und Jagen und von der Rentierhaltung.

Letztere lebten als Nomaden, da sie ihren Herden von den Sommerweiden in den Bergen zu den Winterweiden in den Wäldern folgten. So ist ihr Leben seit jeher von tiefer Naturverbundenheit gekennzeichnet auf der Basis einer jahreszeitlich angepassten Landnutzung.
Heute ist die Rentierhaltung modernisiert. Die Saami folgen ihren Herden z.B. auf Schneemobilen. Die Saami sind auch kein nomadisierendes Volk mehr, sie sind seßhaft und haben sich schwedischem Lebensstil angepasst. Jedoch ist auch die Rentierhaltung ein Lebensstil, sehr charakteristisch fuer die saamische Lebensweise.

Rentiere und Rentierzucht als Lebensgrundlage

Rentiere leben in den nördlichen Teilen Europas und Asiens in Herden. Sie ernähren sich im Sommer auf den Bergweiden von Gras, Blättern, Kräutern und Pilzen. Im Winter ziehen sie in bewaldete tiefere Gebiete. Sie verbeissen keine Nadelbäume.
Die Rentiere brauchen Gebiete mit großem Bestand an Bodenflechten und Waldgebiete, die Hängeflechten bieten. In den meisten Wäldern sind heute durch Bodenbearbeitung und Kahlschlag diese Voraussetzungen nicht mehr gegeben.
Der Rentierbestand ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen und liegt in Schweden weit unterhalb der gesetzlich zugelassenen Höchstzahl.

Die Probleme der schwedischen Saami

Die koloniale Vergangenheit Schwedens hatte den Gemeinden der Saami viele Rechte entzogen. Das Volk der Saami besitzt kein Land. Es gibt nur ein Gewohnheitsrecht auf Winterweide in allen Waldgebieten, unabhängig vom Besitzstand. Dies ist im schwedischen Gesetz verankert. Eine geografische Grenze für die Weiderechte gibt es nicht. Im Konfliktfall müssen die Saami ihre Rechte vor Gericht jedoch schriftlich belegen. Diese Belege für die Landrechte haben sie jedoch vom Staat niemals erhalten.

Jetzt kämpfen sie um die Zukunft der Rentierzucht. Vor kurzem hatte das Appellationsgericht fünf saamischen Gemeinden die gewohnheitsrechtliche Nutzung der Winderweiden im Gebiet Härdjedalen untersagt. Die Besitzer der Primatwälder, in denen die Weidegebiete liegen, hatten die saamischen Gemeinden 1990 verklagt. Die hohen Verfahrenskosten drohen die Saami zu ruinieren.
Die Waldbesitzer behaupten, dass die Rentiere ihre Pflanzungen schädigen, indem sie ihre Geweihe an den jungen Bäumen fegen. Dieser Schaden ist jedoch sehr gering, er ist nur an einzelnen Jungbäumen festzustellen und fällt längst nicht in dem Ausmaß an, den die Waldbesitzer beschreiben. Wild lebende Elche richten im Vergleich dazu weitaus mehr Schäden an. Die Landnutzungsrechte der Saami sind also massiv gefährdet, der von ihnen geforderte Schadenersatz hoch.
Schon viel früher, seit den 1960er Jahren ist die Forstwirtschaft in Schweden durch Kahlschläge, Bodenbearbeitung und Monokulturpflanzungen geprägt. Somit hat sich die Lage für die Rentierzüchter immer weiter verschlechtert. Die Weideflächen für die Rentiere wurden immer weiter eingeschränkt. Die biologische Vielfalt der Wälder ging zurück und die Winterweiden wurden zerstört.
In Waldgebieten, die in Staatsbesitz oder im Besitz großer Forstunternehmen sind, werden die Rechte der Saami garantiert. Diese Wälder gehen aber fast lückenlos in Privatwaelder über, so dass es kaum möglich ist, die Rentiere vor den Privatwäldern zurückzuhalten.
Eine Koexistenz beider Landnutzungsformen, der Forstwirtschaft und der Rentierhaltung ist möglich. Dazu sind gegenseitige Respektierung und z.B. staatlich finanzierte Fonds zur Entschädigung beider nötig. Außerdem müssen die Rechte der Saami gesetzlich festgeschrieben werden.

Die Rentierzucht als Wirtschaftszweig könnte durch die Verbote verschwinden. Und mit ihr würden die Saami das Herz ihrer Kultur verlieren. Die Prozesse stellen eine existentielle Bedrohung für die Saamigemeinden dar. Das Recht auf den Zugang zu den Winterweiden ist eine Frage des Überlebens für die Saami und ihre Kultur.

In diesem Gerichtsverfahren haben die Saami allein wenig Chancen, ihre traditionellen Winderweiderechte zu verteidigen. Die Gfbv und viele andere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus 14 Ländern unterstützen die Saami in ihrem Kampf um ihre Rechte.
In diesem Zusammenhang wurde die schwedische Regierung aufgefordert, das Recht der Saami auf ihre Winterweiden in einem außergerichtlichen Verfahren zu sichern und außerdem, wie schon Dänemark und Norwegen, die ILO-Konvention 169 zu ratifizieren.

Quellen: Pogrom - bedrohte Völker, 212, 2/2002
Robin Wood, M. Lindgren, 3/999, und H. Schlueter, 9/1999

Ein älterer Beitrag informiert über die Lage der Sami auf der Kola-Halbinsel, den ich hier anführe, um über die Entwicklung zu informieren. 
Seitdem ist viel vorwärts gegangen und es folgen weitere aktuelle Infos.

Saami - Halbinsel Kola

Sowohl in Skandinavien wie auch in Russland leben Saami. 
Auf Kola lebt der größte Teil der russischen Saami, 1615 beträgt die offizielle Zahl. Die restlichen der insgesamt 1890 Saami Russlands leben in angrenzenden Regionen. Der Kontakt zwischen den skandinavischen und russischen Saami war lange Zeit sehr eingeschränkt. Erst ab 1989 verbesserten sich die Kontakte wieder. 

Heute haben die Kola-Saami Beobachterstatus im Nordischen Saami-Rat, 1992 wurden sie vollwertiges Mitglied des ''Saami-Rates''. Die Zusammenarbeit zwischen skandinavischen und russischen Saami funktioniert jetzt besser als die irgendeiner anderen ethnischen Gruppe, wie etwa der Inuit, deren Angehörige ebenfalls im Osten und Westen leben.

Lovozero hat ungefähr 3500 Einwohner, ca 20 Prozent davon sind Saami. Es gibt heute, nach Zerfall des Sowjetstaates keinen Gemeinderat mehr. Alle Beschlüsse werden von bestechlichen und erpresserischen Beamten gefasst, von denen die Gemeinde verwaltet wird. Im Gegensatz zu früher, als die Saami drei der 55 Sitze im Gemeinderat hatten, sind Saami heute durch keinen Sitz mehr vertreten und haben ihre politische Einflussnahme verloren.

Die Gemeinde hat ein Kooperationsabkommen mit der Saamischen Gemeinde in Norwegen. So wird durch die Beamten äußerlich ein positives Bild des Verhältnisses zu den Saami vermittelt. Ein Kulturzentrum wurde eröffnet - jedoch blieb es hier nur bei einer Absichtserklärung. 
Auch der Tourismus, der der Region Geld bringen könnte, wird erschwert, nicht zuletzt durch die unsicheren Verhältnisse in Russland. Ausländische Unternehmen, die keinesfalls mit den Saami zusammenarbeiten und sie am Gewinn nicht teilhaben lassen, machen das Rennen. 

Die Rentierzucht steht in dieser Region vor den gleichen Problemen wie bei den Nenzen im Gebiet Yamal und Chukotka. Sie ist ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig. Aus den sowjetischen Landwirtschaftsunternehmen sind private Unternehmen geworden, jedoch bestehen weiterhin die alten Strukturen. Durch das Militär werden die Herden häufig beschlagnahmt, da es auch hier Landrechtsstreitigkeiten gibt.
In den Sommermonaten geht es den Saami einigermaßen gut, da sie nach traditioneller Art fischen, jagen und Pilze und Beeren sammeln, um sich für den Winter zu versorgen. Die Preise für Lebensmittel auf den Märkten dagegen sind unverschämt hoch und die in den Städten lebenden Saami haben kaum eine Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Sogar die Heizung funktioniert im Winter nicht mehr regelmäßig, da die Fernheizungszentrale in Lovozero zeitweise keinen Brennstoff bekam. 

Die kulturelle Situation hat sich etwas verbessert. Die Kenntnis der eigenen Sprache, die in der Sowjetzeit unterdrückt wurde, ist auch jetzt noch gering. Nur in einer Schule in Lovozero wird in der ersten bis fünften Klasse Samisch unterrichtet. Aber es sind ca 30 samische Lehrbücher erschienen. Samische Radiosendungen, die 40 Minuten in der Woche laufen, informieren die Bevölkerung. 
Ausschließlich samische Gesangs- und Tanzgruppen wurden in den letzten Jahren gegründet, die auch in regem Austausch mit skandinavischen Gruppen stehen. 
Die traditionelle Schnitzkunst erlebte den größten Aufschwung. Skandinavische Saami hatten begonnen, Handwerkskurse zu veranstalten, um die alten Kenntnisse wieder aufleben zu lassen und heute wird guter Handel mit samischen Schnitzereien betrieben.

Probleme gibt es in der Bevölkerung vor allem mit Alkoholismus. Es fehlen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten. 
1992 startete Norwegen ein Hilfsprogramm für die indigenen Völker im Norden Russlands. Der größte Teil des Geldes ging an die Saami, der Rest an die Rentierhirten bei den Nenzen. 
Auch der Saami-Rat arbeitete 1993 ein Hilfsprogramm für die Kola-Saami aus. Der Saami-Rat bewilligte kleinere Geldsummen für kulturelle Projekte. Für die Zukunft der russischen Saami gibt es Hoffnung - die guten Kontakte zu den skandinavischen Saami tragen positiv dazu bei. 
Die Saami nehmen immer häufiger an internationalen Konferenzen teil und wollen ihre Zukunft trotz aller Schwierigkeiten in die Hand nehmen.

Quelle: GfbV, Zur Situation der russischen Saami, Pogrom 180, Dezember 1994/Januar 1995

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