Lakota

Die Lakota sind die westlichste Dialekt- und „Stammes“gruppe der Sioux, wobei Sioux gleichermaßen eine Bezeichnung für eine Gruppe nordamerikanischer Indianervölker als auch für eine Sprachfamilie ist. Die sieben, in drei nahe miteinander verwandten Sprachgruppen (Lakota, Westliche Dakota und Dakota)  den Sioux zugerechneten Völker lebten ursprünglich im Gebiet östlich des Missouri Rivers westlich der Großen Seen. Aufgrund der Konflikte mit den Ojibwe sowie in Folge der zunehmenden Besiedlung des Ostens einerseits, begünstigt durch den Besitz von Pferden, die mit den Spaniern nach Nordamerika kamen, andererseits, zogen die Sioux – Völker in der Zeit zwischen dem 17. und frühen 19. Jahrhundert immer weiter westwärts. Um 1800 dominierten die Völker der Lakota, Dakota und westlichen Dakota große Teile von Nord- und Süd-Dakota, Nord-Nebraska, Ost-Wyoming, Süd-Montana, Nord-Iowa sowie den Westen Minnesotas.

Reise "Zu Besuch bei den Lakota" (Begegnungsreisen)

und "Reise in das Land der Oglala-Lakota" (Michael Koch, TOKATA e.V.)

Die am weitesten westwärts lebenden Lakota (auch Teton genannt, von: Titonwan-kin – „Bewohner der Prairie, d.h. der Ebenen“) waren ebenfalls wieder in sieben Unterstämme (Óšpayepi oder Oyate ) unterteilt (Brulé, Hunkpapa, Minneconjou, Sans Arc, Sihasapa, Two Kettles und Oglala), die jeweils wiederum in zahlreichen separaten Bands (Thiyóšpaye) lebten. Hiervon sind die Oglala der personenmäßig größte und sicherlich auch bekannteste Stamm der Lakota. Über keinen Stamm der Lakota wude wohl mehr geschrieben als über die Oglala. Sie waren die ersten Lakota, die nach Westen vordrangen und sich im 18. Jahrhundert zwischen dem Missouri und den Black Hills (Paha Sapá) niederließen. Sie waren erfolgreiche Reiter und Krieger aber auch Verhandlungsführer. Die zwischen den USA und Lakota abgeschlossenen Verträge von 1851 und 1868 waren Ausdruck einer Zeit militärischer Überlegenheit der Lakota, die mit den Arapaho und Cheyenne eine kriegerische Allianz zum Schutz ihrer Gebiete bildeten.

Als Bewohner der Plains und Prärien waren die Lakota vor allem Nomaden. Ihr Leben war von den Wanderungen der großen Bisonherden bestimmt, von denen ihr Lebensunterhalt mehr oder minder abhängig war. Der Bison lieferte Fleisch für die Ernährung, Haut und Leder für Kleidung, Decken und Tipibedeckung, Hörner und Knochen für Schmuck, Altare und Alltagsgegenstände, Dung als Brennmaterial, Sehnen als Nähmaterial usw. In den klirrend kalten Wintern folgten die Lakota den Bisons in die wenigstens etwas vor Schnee und Kälte schützenden Waldtäler der Black Hills, ein Gebiet dass zuvor vor allen Gebiet der Absarokee (Crow) war. 

Hier und am hiervon nordöstlichen Bear Butte (Mathó Sapá) liegt der spirituelle Mittelpunkt für die Oglala-Lakota. So ist das Höhlensystem im heutigen Wind Cave National Park in den Schöpfungsgeschichten der Lakota die Geburtsstätte der ersten Menschen. Die Black Hills waren daher bei den Friedensverträgen von 1868 (Fort Laramie) zwischen der US-Regierung und den Lakota (unter Red Cloud) wesentlicher Bestandteil der vereinbarten Great Sioux Reservation. Sie standen seitens der Lakota keinesfalls zur Disposition. Doch bereits wenige Jahre später, nach den ersten Goldfunden in den Black Hills, wurden diese Verträge seitens der USA einseitig gebrochen, die Great Sioux Reservation zum größten Teil zu Bundesland erklärt und nur der kleinste Teil stand nun den zahlreiche kleinen Reservationen (Pine Ridge, Rosebud, Cheyenne River, Crow Creek Indian, Lower Brule, Sisseton, Yankton)  zur Verfügung. 1876 wurden 31.000 km2 des Reservationsgebietes der Black Hills zur Nutzung durch private Interessen freigegeben.

Die meisten Oglala - Lakota leben heute in der südöstlich von den Black Hills liegenden Pine Ridge Reservation. 1890 fand hier, nahe des heutigen Ortes Wounded Knee, das letzte militärische Massaker der US-Army in den sogenannten „Indianerkriegen“ statt. Dieses Massaker, dem nahezu dreihundert Lakota unterschiedlichster Stämme, zum Opfer fielen und der Name Wounded Knee bilden für viele Lakota noch heute ein unbewältigtes historisches Trauma.

Die Reservation ist eine der ärmste Gegenden in den USA. Das Leben in der Reservation wird beherrscht durch eine extreme Kumulation von Problemlagen: hohe Arbeitslosen- und Armutsraten, eine verheerende Gesundheitssituation die durch diverse Suchterkrankungen noch verschärft wird, eine niedrigere durchschnittliche Lebenserwartungszeit bei exorbitant hoher Kindersterblichkeits- und Selbstmordrate, unzureichendes Bildungssystem …. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eskalierten hier bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen die von einer korrupten Stammesregierung und deren Todesschwadron ausgingen. In dieser Zeit der „Herrschaft des Schreckens“ ermordeten die Todesschwadrone der Stammesregierung über 60 traditionelle Lakota und Vertreter der wiedererwachenden indianischen Selbstbestimmungsbewegung. Letztere waren es aber, die eine Entwicklung anstießen, die dazu führte, dass sich heute wieder mehr und mehr Lakota auf die Suche ihrer kulturellen Wurzeln begeben. Auch für diese Entwicklung und das Wiedererwachen indianischen Widerstands seit den 60er Jahren in ganz Nordamerika stehen die Oglala-Lakota und  die Pine Ridge Reservation heute oftmals als Symbol.

Quellen:

Chr. Fest: Kulturen der nordamerikanischen Indianer
Horst Hartmann: Die Plains-und Prärieindianer Nordamerikas
wikipedia zu Lakota, Sioux, Oglala und Pine Ridge Reservation
Michael Koch: Ein Leben für die Freiheit

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