Mongolei - für Meditierende

Noch fast ein „Geheimtipp“: Sain Shand und die Umgebung in der Wüste Gobi. Für manche ist es ein oder das gesuchte heilige Land, das „Shambala-Land“, für andere ein Energiezentrum. Auf jeden Fall ist es ein besonderer, heiliger Ort mitten in der östlichen Gobi, ca. 30 Minuten mit dem Auto von Sain Shand entfernt. 


Schon die Lage dieses Ortes, die umgebende Landschaft, ist atemberaubend. Eine Art von Wüste mit vielen Farben, und hier ist der Boden plötzlich rot. Ein quadratischer Komplex, umrandet von 108 Stupas, mit drei Eingangstoren und einem „Ovoo“, einem der typischen mongolischen Steinhaufen, die man im Uhrzeigersinn 1-3mal umrundet und dabei – z.B. – ein Mantra – spricht.

Das Besondere an diesem Ovoo ist allerdings, dass man hier ein Lied singen soll, dessen Text Danzanravjaa schrieb. Der erleuchtete Meister Danzanravjaa, oder besser: der 5. Noyon Rinpoche Luvsandanzanravjaa gründete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Klöster, Tempel, Schulen, in der auch Mädchen lernen durften, ein Theater, schrieb Gedichte und religiöse Texte auf tibetisch und mongolisch. 2005 wurde weltweit – unterstützt durch die UNESCO – sein 150. Geburtstag gefeiert. Er ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Mongolei – er kommt fast direkt nach Dschingis Khan. Und dieser Mann ließ diesen Ort errichten – das „nördliche Shambala-Land“. Die Geschichte des Nachlasses dieses Mannes liest sich wie ein Krimi. Als 1938 unter dem Einfluss der stalinistischen Säuberungen sehr viele Klöster in der Mongolei zerstört wurden und viele Schätze zerstört oder verschleppt wurden, schaffte es ein junger Mann von 25 Jahren, G. Tudev, viele wertvolle Dinge aus dem Nachlass von Danzanravjaa bei Nacht und Nebel – quasi vor den Augen der Soldaten – zu vergraben, unter Einsatz seines Lebens. 64 Kisten wurden wieder ausgegraben, davon 2 im Jahr 2009 - begleitet von einem österreichischen Kamerateam, so dass diese Ausgrabung weltweit via Internet übertragen werden konnte. Heute kann man diese geretteten Güter im Museum von Sain Shand besichtigen.

Mich hat dieser Ort, auch die Landschaft, in der er liegt, besonders berührt. Viele Menschen kommen hierher, um Energie zu tanken. Und doch ist der Ort noch fast unberührt, es gibt wenig Tourismus. Und besonders gut ist es, mit einem sehr erfahrenen Guide und Fahrer dorthin zu kommen, einem, der auch über die Geschichte des Ortes (auf Deutsch!) zu erzählen weiß und in die Rituale des Ortes eingeweiht ist: mein Guide Ankhzaya hat mir dadurch das Ankommen an diesem Ort sehr erleichtert – vielleicht sogar erst möglich gemacht. Vor allem wusste er auch, wo der „heilige Ort neben dem heiligen Ort“ war: Neben dem von Stupas gesäumten Komplex gibt es Meditationshöhlen, in denen Danzanravjaa selbst und seine Schüler meditierten. Als ich in einer dieser Höhlen saß, direkt vor der Statue von Danzanravjaa, ergriff mich eine starke Freude und Leichtigkeit, eine Verbundenheit, so, als stünde die Energie dieses Meisters immer noch hilfreich zur Seite…

Das Lied, das an dem Ovoo gesungen werden soll. Text von Danzanravjaa.

Autorin: Sandra Kroemer

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