Ruinen-Kneipen in Budapest

Ruinenkneipen in Budapest

22. Februar 2014 - geschrieben von J. Arthur White in Budapest · Panorama

Voll von schäbigen Kellermöbeln und bedeckt mit Graffiti sind die Budapester Ruinenkneipen Anziehungspunkte für die Jungen und Mobilen dieser Welt. Symbolisch repräsentieren sie all das, was Budapest heute ist: Eine europäische Hauptstadt der Hipness. Die Budapester Zeitung gibt einen Überblick über einige der besten dieser Paläste des Verfalls.

Mit seiner post-sowjetischen Mystik und den niedrigen Bierpreisen ist Budapest drauf und dran das neue Berlin zu werden – ein trendiger kosmopolitischer Hipstermagnet. Der Schlüssel: Eine blühende Untergrundszene, die das Heruntergekommene schätzt und die verkörpert wird von höhlenartigen Spelunken wie Szimpla und Fogas ház. Auf ungarisch als kertek bekannt, eroberten Budapests erste Ruinenpubs vor etwa zehn Jahren verlassene Innenhöfe. Heute lassen sie sich überall verstreut im VII. Bezirk finden und haben begonnen, sich auch darüber hinaus auszubreiten.

Instant

Mit seinem ausladenden Netz an betriebsamen Tanzbereichen und gemütlichen Lounges hat dieser Favorit allnächtlicher Partyfreunde mittlerweile einen gesamten Apartmentblock in der Nagymezö utca 38 übernommen. Gemäß dem verträumten (bis alptraumhaften) Tierthema thronen eine Horde Hasen und einer Rieseneule über dem überdachten Innenhof in der Mitte. Selbst an einem Donnerstag ist es fast unmöglich durch die schwitzende Masse tanzender Körper zu waten und die Party geht weiter bis mindestens 6 Uhr morgens. Expats und Erasmusstudenten sind überall, aber es gibt auch einen guten Anteil an Einheimischen. Jeder ist daran interessiert, Leute kennenzulernen und macht so das Instant zu einem fantastischen Ort, um ein romantisches Stelldichein zu starten. Eine Beschwerde: Die Mäntel müssen an der Garderobe abgegeben werden, was an Samstagabenden lange Wartezeiten nach sich ziehen kann.

Mit Schirm, Charm und Schrott: Das Szimpla kert ist weltberühmt.

Szimpla kert

Szimpla kert ist zweifellos die berühmteste Budapester Ruinenkneipe. In zahllosen Reiseführern vertreten, sieht es einen konstanten Strom junger Ausländer durch seine Türen auf Kazinczy utca 14 schreiten. Ein Hype, den das Szimpla auch verdient hat. Es ist riesig, heruntergekommen, seltsam und oh so beeindruckend – ein wahres Meisterwerk an Schäbigkeit. Es gibt auch einen netten Bereich für Liveauftritte, einen Projektor, der alte Vintagefilme spielt und viele Schischas, im Innenbreich zu konsumieren. Sicher, einige Einheimische werden diesen Ort meiden, abgeschreckt von seiner aufgeblasenen Reputation. Die Musik ist Mainstream, es ist voll lärmender Touristen und selbst der ein oder anderen Pubcrawl-Gruppe. Aber es ist auch der einzige Ort, wo man sich sicher sein kann interessante Menschen aus aller Welt zu treffen, von rauen englischen Hooligans bis zu nihilistischen Moskauer Pianistinnen. Ein Muss!

Ellátó kert

Von Szimpla aus etwas weiter die Straße hinunter, vorbei an allen Synagogen und Untergrundkunstgallerien, liegt der Ellátó kert – ein Ruinenpub mit lateinamerikanischem Flair. Von der Straße aus wirkt es eher wie ein mexikanisches Restaurant, eine Gasse führt jedoch in einen kunterbunten Innenhof voll von trashigen Möbeln. Erhältlich im Ellátó ist großartiges Essen, es ist aber auch ein wunderbarer Ort um Billard und Klavier zu spielen (sofern Sie nichts gegen schiefe Queues und fehlende Tasten haben). Unter den Kunden ist ein guter Anteil an Einheimischen sowie, an dem Abend an dem wir da waren, ein kräftigees Frettchen an der Leine. Kommen Sie vorbei in die Kazinczy utca 48!

Super 8

Mit fabelhaft surrealistischen Wandkunstwerken und plüschigen Samtstoffen wirkt das Super 8 etwas schicker, als die meisten anderen Orte, die wir besuchten. Es ist immer noch ein Mischmasch an nicht zusammenpassenden Möbeln mit opulenten antiken Sofas neben Flugzeugsitzen und billigen Küchenstühle. Das Publikum besteht hauptsächlich aus jüngeren Hipstern und fahrradfahrenden Ökofreunden und die Atmosphäre ist ziemlich relaxed. Sicherlich keine Partybar, ist Super 8 an Wochenenden gut gefüllt aber nie unangenehm überfüllt. Ein großartiger Ort für belebte politische Debatten unter Freunden und Fremden. Zu finden in der Köfaragó utca 8, direkt neben dem Gutenberg tér.

Das Fogas ház soll früher tatsächlich ein Zahnarzthaus gewesen sein.

Fogas ház

Neben dem Instant und Szimpla eine der größten Ruinenkneipen der Stadt und auch eine der beliebtesten. Der Name bedeutet ‚Haus der Zähne‘ auf ungarisch, Referenz an die Zahnarztpraxis, die sich zuvor in dem Gebäude befunden hatte. Und so finden sich Zahnmetaphoriken überall, neben japanischen Neonschilder und kitschig verzierten Kunstwerken. Neben DJ-Nächten, Liveauftritten und Jam-Sessions, finden in Fogas ház auch Filmvorführungen und andere Kulturveranstaltungen statt. Ein
riesiger Innenhof fungiert als belebte Tanzfläche, Projektionen toter Schauspieler, von Mutter Teresa und dem ‚Ewigen Präsident‘ Nordkoreas Kim Il-Sung´erleuchten die Wände. Das Fogas ház ‚Garten‘ erstreckt sich über einen zweiten Innenhof. Vorbei am Raucherbereich findet sich ein riesiges Zelt mit lächelndem Gebiss an den Außenwänden und einer gemütlichen Bar im Innenbereich. Obgleich weniger ein ‚Aufreißort‘ als Instant, ist das Fogás Haz auch ein prima Ort für einen Flirt.

Vittula

Mit einem finnischen Namen, dessen Übersetzung man hier nicht drucken kann, ist Vittula eine winzige Punkbar mit rauem Touch. Bei unserem ersten Besuch hing ein bewusstloser Kerl mehr als eine Stunde an der Bar. Obwohl mehr und mehr Touristen davon Wind bekommen, fühlt sich der Ort immer noch geheim und authentisch an. Die Wände bemalt mit  japanischen Frescen und übersät mir obskuren Bandaufklebern, während das Hinterzimmer und die Toiletten voll mit Graffiti sind. Über die Lautsprecher ertönen The Clash und andere Punk-Rock Klassiker, jedoch nicht laut genug um Gespräche zu ersticken. An Wochenenden vollgepackt, ist Vittula ein intimerer Ort an Wochentagen und am frühen Abend. Diese kleine Kneipe in der Kertész utca 4 ist ein großartiges Sprungbrett für einen Nacht in der Stadt.

J. Arthur White

Bezug zu Reise: 
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