Menschenrechte im Gepäck

Haben Sie an alles gedacht? Menschenrechte im Gepäck

Reisen ermöglicht es Menschen, andere Gesellschaften, Geschichten und Lebensweisen kennenzulernen. Doch mit dieser Freiheit kommt auch Verantwortung.

Diejenigen, die vorhaben indigene Gebiete zu bereisen, sollten über die langfristigen Auswirkungen nachdenken, die ihr Besuch auf die dort lebenden Menschen und indigenen Gemeinden hat – und nicht nur über den kurzfristigen Kick oder den Glanz abenteuerlicher Geschichten nach der Rückkehr.

Wenn Tourist*innen nicht auf verantwortungsvolle Art und Weise in indigene Gebiete reisen, besteht die ernste Gefahr, dass der Tourismus das Leben indigener Völker zerstört.

Der Fall des Jarawa-Volkes in Indien ist ein extremes Beispiel dafür, wie Tourismus nicht betrieben werden sollte. Dort verkaufen Reiseveranstalter „Menschensafaris“, bei denen Indigene zur Belustigung der Zuschauer zum Tanzen gedrängt werden und ihnen dafür Süßigkeiten und Kekse „geschenkt“ werden. Bei solchen „Attraktionen“ werden Indigene als minderwertig behandelt. Nehmen Sie auf keinen Fall an solchen oder ähnlichen Touren teil, bei denen es wie in einem Zoo zugeht.

Wenn Reisen zu indigenen Völkern mit abwertenden Begriffen wie „primitiv“ beworben werden oder die „Nacktheit“ der Indigenen hervorgehoben wir, ist dies ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Völker nicht respektiert werden. Reiseveranstalter haben kein Recht, indigene Völker als Teil eines touristischen Pakets zu verkaufen, bei dem ihre Privatsphäre und Lebensweise zum Foto-Objekt anderer Menschen werden.

Nur wenn Reisende derart unmoralische Angebote und Reisen boykottieren und sich für verantwortungsvolle Reiseanbieter entscheiden, gibt es keine finanziellen Anreize mehr solch geschmacklose Praktiken anzubieten.

Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, hat einige Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen können, verantwortungsvoll zu reisen:


1. Informieren Sie sich sorgfältig vor Reiseantritt und boykottieren Sie unseriöse Touranbieter.

2. Unterstützen Sie Firmen, die eng mit indigenen Gemeinden zusammenarbeiten und die Einnahmen fair mit diesen teilen. Fragen Sie nach, falls Sie unsicher sind oder darüber keine Informationen finden können. Besuchen Sie eine Gemeinde, sollten sie indigene Völker angemessen für ihre Arbeit und die Bereitstellung ihres Landes bezahlen. Die Bezahlung sollte im Vorfeld mit einem Vertreter des indigenen Volkes abgesprochen werden. Akzeptieren Sie die Zahlungskonditionen der indigenen Bevölkerung.

3. Respektieren Sie die Lebensweise und Gesellschaft des Volkes, das Sie besuchen. Machen Sie zum Beispiel nur Fotos, wenn Sie sicher sind, dass die Menschen von sich aus damit einverstanden sind. Bitte beachten Sie hierzu auch gängige Richtlinien zum Filmen indigener Völker.

4. Behandeln Sie indigene Völker nicht, als wären sie rückständig, dumm oder primitiv.
5. Besuchen Sie keine Gebiete, in denen indigene Gemeinden von ihrem angestammten Land vertrieben wurden. Dazu zählen auch viele beliebte Nationalparks weltweit. Das Völkerrecht erkennt die Landrechte der indigenen Völker an. Diese Entscheidung sollte ungeachtet der Haltung der jeweiligen nationalen Regierung respektiert werden und Sie sollten sich auf dem Land der indigenen Bevölkerung wie auf jedem anderen Privatgrundstück verhalten.

Obwohl sich Tourismus nicht zwangsläufig negativ auf das Leben indigener Völker auswirken muss, ist dies leider noch häufig der Fall. Nur selten müssen Tourist*innen mit Konsequenzen rechnen, wenn sie die Rechte der indigenen Bevölkerung missachten. Zusätzlich haben indigene Völker bei Themen wie Tourismus selten Mitspracherecht. Ändern Sie dies, indem Sie die Menschenrechte indigener Völker mit ins Gepäck nehmen, nur mit verantwortungsvollen Anbietern verreisen und im Zweifel auf eine Fotogelegenheit verzichten. Man wird es Ihnen danken.

Von Linda Poppe, Survival International.

Survival ist die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker. Survival hilft indigenen Völkern ihr Leben zu verteidigen, ihr Land zu schützen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Dafür wurde Survivals Arbeit unter anderem mit dem „Alternativen Nobelpreis” gewürdigt.

Bildunterschrift/Beschreibung: Enawene Nawe-Ältester, Brazil.
Copyright-Hinweis: © Fiona Watson/Survival

http://www.survivalinternational.de

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