Aus meinem Tagebuch ... Teil II

Wir waren im Ger der Nomaden-Familie und übernachteten, die Tochter, die das Essen zubereitet hatte, fuhr gegen 22 Uhr mit dem Neffen los - Richtung Naadam-Fest - 20 km durch die Steppe.
Am nächsten Morgen war es schnell wieder heiß. Wir verbrachten einen großen Teil des Tages im Ger - erst abends als die Hitze nachließ konnten wir einen kleinen Reitausflug machen, die Pferde sind sanft. Eine alte Nomadin kam am Nachmittag herein und setzte sich. Ihr ist heiß und sie trinkt mehrere Schalen Tee. Goldschmuck ziehrt ihre Ohren und Hände. Sie ruht sich etwas aus, mustert uns ein wenig und geht wieder. Wir erfahren später, dass es die Urgroßmutter der Familie ist, die etwas entfernt in ihrem Ger lebt. Dann kommen zwei Hirten herein, schauen uns an und nehmen Platz. Sie ruhen sich bei einigen Schalen Tee aus und verlassen das Ger wieder. Gesprochen wird kaum...
Abends wird es lebhaft: die Familie kommt heim. Der Mann begrüßt uns - als 'Hausherr' ist er derjenige, der für die Gastfreundschaft im Ger sorgt. Er stellt sich als Bagi vor. Er hält unsere Hände so lange fest, bis wir seinen und er unsere Namen aussprechen können. Sachen werden ausgepackt - mit dem Auto hat die Familie Vorräte aus der nächsten Provinzstadt mitgebracht. Die Frau und die Tochter, die den Sommer zu Hause verbringt (sie studiert in Ulaanbaatar an der Landwirtschafts-Schule) kümmern sich um das Vieh. Tee wird zubereitet, Abendessen gekocht. Der Mann ruft uns nach draußen... er hält einen Kessel in den Händen und gießt uns eiskaltes Quellwasser über die Hände. Obwohl wir ahnen können, wie kostbar dieses Wasser für die Familie ist, bedeutet er uns, dass wir uns damit Hände, Arme und Gesicht erfrischen sollen. Was für eine Wohltat! Er lacht zufrieden und wir sind ihm sehr dankbar, und gerührt von seiner Fürsorglichkeit und Aufmerksamkeit. Dann ruhen sich alle etwas aus und tauschen Neuigkeiten aus. Wir sitzen wie immer auf der Westseite, der Mann am Ehrenplatz auf dem Boden im Norden, die Frauen auf der Ostseite, dort, wo sich auch die Herdöffnung befindet. Es ist sehr behaglich im Ger. Bagi hat den unteren Teil des Jurtenfilzes etwas hochgeklappt, mit den Leinen der Außenhaut an den Gurten des Gers festgesteckt. Die Luft zirkuliert und es wird frischer im Ger. Eine weiche Decke mit Rosenmuster legte er uns unter, Kissen am Boden und an der offenen Seite des Gers... er bedeutet uns, uns dort auszustrecken. Er ist wie ein Vater zu uns und dankbar schauen wir in seine strahlenden Augen. Langsam lernen wir, wie Nomaden leben und uns selbst ein wenig so zu verhalten. Wir fühlen uns wohl und finden, dass es sehr angenehm sein kann, Nomade zu sein.
Jeannine und ich laufen noch ein wenig durch die Steppe und genießen den Sonnenuntergang. So klare Luft - der Horizont ist sehr weit. Dann sehen wir, dass Bagi und Zaya ein Loch graben - neben dem 'Wirtschafts-Ger', in dem die Familie Vorräte aufbewahrt. Sie treiben einen Pfahl in die Erde. Oben wird eine Plastikflasche befestigt. Bagi winkt uns heran und führt mit Vergnügen seine selbstgebaute 'Dusche' vor. Der Flaschenboden wird so eingeschnitten, dass er sich aufklappen lässt, Wasser wird nachgefüllt, der Flaschendeckel nur ganz locker zugeschraubt - so dass das Wasser langsam herausläuft. Genial :)
Im Familienger sehen wir ein bisschen dem abendlichen Treiben zu. Nomaden kommen zum Teetrinken und Erzählen, knabbern getrockneten Quark und Käse. Das Abendessen duftet schon im Kessel über dem Herdfeuer. Dieses Herdfeuer ist unentbehrlich! Auch bei großer Hitze muss ja gekocht werden, muss die Milch abgekocht und verarbeitet werden.
Die Jungen räumen das Vorrats-Ger aus. Bagi trägt das Bett hinein, auf dem in der vergangenen Nacht der kleine 4jährige Enkel und die Hausfrau geschlafen hatten. Wir sind bei den Kälbchen draußen, dürfen nichts tun - sollen uns ausruhen. Wir sehen, dass Zaya und Mogi, unser Fahrer, jetzt all unsere Sachen in das Ger schleppen. Das Ger ist für uns bereitet worden! Der junge Mann fordert uns auf heranzukommen - das Ger ist nun fertig! Eine Holzkiste in der Mitte, eine Kerze darauf spendet gemütliches Licht, 2 Betten für uns, auch die weiche Rosendecke hat er uns spendiert. Bajalaarlaa - Danke - können wir ihnen nur sagen. Und voller Eifer rennt er nochmal ins Familienger um uns Kaffee, heißes Wasser und Gebäck zu bringen!
So viel Gastfreundschaft gegenüber völlig fremden Menschen, so viel Sinn für Behaglichkeit und die Bedürfnisse der Gäste! Und alles wird mit Ruhe, Gelassenheit und Vergnügen! ausgeführt - das kann uns nur erstaunen.

(Gudrun und Jeannine unterwegs in der Mongolei, 2005, 
Fotos: Gudrun Conrad, Jeannine Lipowsky)

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